Braune Kameradschaften in Franken und die Entwicklung des Rechtsextremismus im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
31.01.10
Vortragsveranstaltung (ca. 2std) mit der Nürnberger Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair am 13.02.10 um 11.00 Uhr im Weißenburger Jugendzentrum (Eichstätter Str. 1)
Gräfenberg, Weiden, Nürnberg und Fürth sind einige Orte, in denen Neonazis in den letzten Jahren regelmäßig aufmarschierten. Seit dem Verbot der „Fränkischen Aktionsfront“ (FAF) durch das Bayerische Innenministerium im Jahr 2003/04 betrieben fränkische Nazi-Aktivisten ihre menschenverachtende Politik auf unterschiedliche Weise und in verschiedenen Organisationsformen weiter. Damaliger Verbotsgrund war u.a. die „Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus“, die der FAF nachgewiesen werden konnte. Dass sich an dieser Einstellung bis heute nicht viel geändert hat, zeigt Birgit Mair bei ihrem Vortrag am 13. Februar 2010 im Jugendzentrum Weißenburg. Die Nürnberger Sozialwissenschaftlerin gibt anhand von Bildern einen Einblick in die Erscheinungsformen und Strategien brauner Kameradschaftsnetzwerke und Parteien in Mittel- und Oberfranken mit Schwerpunkt Westmittelfranken.
Die Versuche verschiedener extrem rechter Gruppierungen wie „Pro WUG“, „Nationales Bündnis WUG“, regionale NPD-Gruppierungen, „Freie Nationalisten WUG“, „Freies Netz Süd“ sowie „Kameradschaft Altmühltal“, im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Fuß zu fassen und der Widerstand dagegen stehen im Fokus des Vortrags. Ein kurzer Einblick in das Selbstverständnis so genannter „Autonomer Nationalisten“ soll zudem zu neueren Lifestyle-Angeboten innerhalb der Rechten sensibilisieren.
Anhand neuerer Forschungsarbeiten wird zudem die herausragende Rolle Westmittelfrankens als Hochburg des Nationalsozialismus und des Antisemitismus bereits während der Weimarer Republik beleuchtet. Exemplarisch wird Pappenheim behandelt, da die Wahlergebnisse für die NPD dort seit Jahren überdurchschnittlich sind.
Der Veranstalter weist explizit darauf hin, dass Personen aus dem rechtsradikalen Spektrum von der Teilnahme ausgeschlossen (§ 6 Abs. 1 Versammlungsgesetz) sind.
Birgit Mair ist Mitglied im Koordinierungsgremium der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg, leitet derzeit das Bundesprojekt „Tacheles! Handlungsstrategien gegen Rechtsextremismus in Mittel- und Oberfranken“ (Fachtagung am 11. Juni 2010 an der Ohm-Hochschule Nürnberg, Anmeldung unter www.tachelesprojekt.de) und erforschte im Jahr 2008 im Auftrag der „Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus“ rechtsextremistische Aktivitäten im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Sie arbeitet außerdem mit Holocaust-Überlebenden, über die sie Bücher und Ausstellungen veröffentlicht hat und entwickelt aktuell ein Konzept für Bildungsprojekte in der „Synagoge Hainsfarth“ (Nördlinger Ries, Nähe Oettingen).
